Wie kann man einen anstrengenden Hund beschäftigen?

Wie kann man einen anstrengenden Hund beschäftigen?

29.11.2017 von fortuna
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Hilfe!
Mein Hund langweilt sich sehr schnell, wenn man sich nicht mit ihm befasst. Er zerreißt und frisst dann mit Vorliebe Socken und Plüschtiere. Zum Glück arbeite ich zuhause und kann so das Schlimmste verhindern! Aber ich kann natürlich auch nicht 24/7 mit ihm spielen, schließlich muss das Geld fürs Hundefutter irgendwo her kommen.

Damit er sich nicht so langweilt, würde ich ihn gerne beschäftigen und auch geistig auspowern. Das ist aber gar nicht so einfach, denn der Gute hat überhaupt keine Frusttoleranz und gibt bei der kleinsten Herausforderung einfach auf! Er ist 4, also kein Welpe mehr, und kommt aus schlechter Haltung, wo er nur wenig kennen gelernt hat. Wir haben ihn erst seit vier Monaten, da erwarte ich natürlich noch keine Wunder. Was ich aber gemerkt habe ist, dass er gerne schnuppert und als Windhund auch viel mit den Augen arbeitet.
Habt ihr Ideen, was ich ausprobieren könnte?

Antworten: 3

Beste Antwort
susanne45
susanne45 29.11.2017

Grundsätzlich würde ich Dir zum Besuch einer Hundeschule raten. Mein Hund, auch aus dem Ausland und aus schlechter Haltung, hatte sehr viel Spaß daran, neue Dinge zu lernen. Vor allem wird Dir gezeigt, wie Du mit deinem Hund arbeiten kannst und ihm neue Übungen beibringst.

Vielleicht ist auch Agility oder Dogdancing etwas für Euch, da der Hund dabei auch geistig und körperlich gefordert und gefördert. Schau auch mal, ob ein Kurs mit Nasenarbeit bei Euch angeboten wird.

Zu Hause kannst Du die neuen Dinge üben und den Hund damit beschäftigen. Wichtig ist es, dass er körperlich wirklich ausgepowert wird und Du dann zusätzlich mit ihm kleine Einheiten von Spielen mit Kopfarbeit in den Tagesplan aufnimmst. Du kannst leicht anfangen.

Nimm zwei Plastikbecher, drehe sie auf dem Fußboden um und lege unter einen davon ein Leckerli. Der Hund muss mit der Nase an den Becher dran stupsen und damit anzeigen, unter welchem Becher da Leckerchen ist. Zur Belohnung bekommt er es dann. Du kannst ihm bei den ersten Malen zeigen, wo Du es hinlegst, damit er einen schnellen Erfolg hat. Später darf er nicht zuschauen und Du machst es verdeckt.

Wichtig ist, die Übungen und Spiele nicht zu oft zu wiederholen, damit sie dem Hund nicht langweilig werden.

moony
moony 30.11.2017

Erst mal finde ich es toll, dass du einen "gebrauchten" Hund und noch dazu aus schlechter Haltung übernommen hast!

Wie du schon schreibst, wird er in seinem Leben nicht viel kennengelernt haben und hat nun enormen Aufholbedarf. Du solltest ihm auch die Zeit lassen, all die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten.

Trotzdem ist es wichtig und unbedingt nötig, dass er lernt, Frust zu tolerieren und auch Ruhephasen einzuhalten. Wenn du den Hund 24/7 bespaßen würdest, würde ihn das nicht auslasten, sondern ihn im Gegenteil noch mehr hochfahren.

Du könntest z. B. erst einen sehr ausgedehnten Spaziergang mit ihm machen und ihn dabei vielleicht noch ein bisschen Kopfarbeit machen lassen. Dazu könntest du ihn irgendwo absetzen, dann einen Futterbeutel irgendwo im Gras, hinter einem Baum o. Ä. verstecken, zu deinem Hund zurückgehen und ihn suchen schicken. Wenn er das noch nicht kennt, fängst du erst mal damit an, den Beutel noch im Sichtbereich des Hundes zu platzieren, und erst wenn er das Prinzip verstanden hat, versteckst du ihn so, dass er ihn wirklich suchen muss und nicht mehr sehen kann.

Sowas macht müde, viel müder als reine Bewegung!

Und wenn ihr dann heimkommt, verordnest du ihm eine Ruhephase. Dazu ist ein Körbchentraining sinnvoll, oder wenn er eine Box kennt, bringst du ihm bei, auf Kommando in seine Box zu gehen und auch drinzubleiben, bis du ihn wieder rausrufst.

Das solltest du zu Anfang allerdings nicht zu sehr in die Länge ziehen. Wenn er so hibbelig ist, wird er sich vermutlich nicht länger als 20 oder 30 Minuten still verhalten können. Das ist aber okay, Hauptsache, er lernt langsam, sich überhaupt mal zu beruhigen.

In dieser Zeit (wenn er ruhig irgendwo liegen soll) sollten aber auch keine Spielsachen herumliegen. Die sollten sowieso am besten nicht zur freien Verfügung immer herumliegen, sondern nur rausgeholt werden, wenn du mit deinem Hund spielst.

Alles, wozu er nach eigenem Belieben Zugang hat, verliert enorm viel Wert für ihn und ist lange nicht mehr so interessant wie etwas, das er nur ab und zu mal haben darf.

Alternativ könntest du ihm einen Kauknochen oder so etwas geben, wenn er ruhig auf seinem Platz liegen soll. Und besteh darauf, dass er damit auch tatsächlich auf seinem Platz bleibt.

Also, wie gesagt, es ist extrem wichtig (für jeden Hund), dass er Frust zu ertragen lernt. Eine gute Hundeschule hilft dir da auch weiter und gibt dir noch weitere Ideen und auch Anleitungen.

Zu deiner eigentlichen Frage:

Wie man den Hund mehr auslasten kann

Alles, wozu er seinen Kopf anstrengen muss, macht ihn müder als reine Bewegungsarbeit. Also wenn er als Sichtjäger gerne Dinge verfolgt und hetzt, kannst du natürlich Apportierspiele mit ihm machen (auch in der Wohnung), solltest aber nicht einfach draufloswerfen und Hundi hinterherrennen lassen, sondern Konzentrationsübungen einbauen.

Das Ganze sieht so aus:

Du lässt den Hund neben dir Sitz machen (ich setze jetzt mal voraus, dass er ein zuverlässiges Sitz kann und auch solange hält, bis das Auflösekommando kommt). Dann wirfst du den Ball oder was auch immer, der Hund darf aber nicht hinterherrennen, sondern muss warten, bis du ihn schickst. Oder du lässt ihn aus dem Sitz erst noch ein Platz machen und schickst ihn dann. Oder verlangst ein "Schau".

Du kannst ganz viele solcher Konzentrationsübungen in den Alltag einbauen (z. B. bevor du ihm seinen Futternapf hinstellst, bevor es zur Haustür rausgeht etc.). Dabei lernt dein Hund nicht nur, viel mehr auf dich zu achten (was eure Bindung stärkt), sondern alles in allem wird er generell konzentrierter und nicht mehr so hibbelig werden.

Noch ein Tipp:

Eine Bekannte von mir hat mehrere Windhunde und fährt mit ihnen in ein speziell ausgewiesenes und umzäuntes Hundeauslaufgebiet, wo die Hunde richtig rennen können. Gut, sowas gibt's nicht überall (bei uns auch nicht), aber es könnte ja sein, dass du so was in der Nähe hast.

Auch gibt es die Möglichkeit, seinen Windhund auf einer Hunderennbahn rennen zu lassen. Ganz normal als Privatperson und nur zur Auslastung, nicht im Rahmen eines tatsächlichen Rennens. Wer sowas veranstaltet, ob die Rennbahn selbst oder irgendwelche Windhundevereine, weiß ich leider nicht, das könntest du aber ja sicher herausfinden.

Und noch ein Tipp:

Wenn du den Hund auf seinen Platz schickst und er dort bleiben soll, egal ob Körbchen, Box oder Decke, sollte er unbedingt einen Wassernapf an dieser Stelle stehen haben. Sonst ist er gezwungen, deinen Befehl zu missachten, sobald er Durst bekommt.

Vor allem, wenn du ihn dort einen Kauknochen fressen lässt o. Ä. ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass er anschließend trinken möchte.

Also, beim Körbchentraining (oder Box etc.) unbedingt darauf achten!

kleinehexe
kleinehexe 30.11.2017

Hallo!

Wenn dein Hund gerne schnüffelt, wären vielleicht auch Duftspuren etwas für ihn. Habt ihr einen Garten? Wenn ja, kannst du mal versuchen, mit einem lecker duftenden Leckerchen eine Duftspur über den Boden zu ziehen, der dein Hund dann folgen muss. Erst nur vielleicht einen Meter und gerade, das schafft selbst der ungeduldigste Hund - und dann arbeitet ihr euch vor! Geeignet ist zum Beispiel ein Stück Käse, ein kräftig riechendes Leckerli oder auch spezielle Duftstoffe aus dem Fachhandel. Ganz wichtig: Am Ende der Spur muss natürlich immer eine Belohnung warten! Die Duftspur hilft ihm im Vergleich zum "freien" Suchen bei der Stange und konzentriert zu bleiben.

Auch Clickern ist ein tolles Training für die grauen Zellen, das bei vielen Tieren richtig gut ankommt. Sogar bei vermeintlich ungelehrigen und unkooperativen Tieren wie Katzen! Du kannst dabei mit ganz simplen Übungen wie "Schau" anfangen und dich dann zu schwierigeren Übungen (zum Beispiel dem "Hofknicks") vorarbeiten. Es wird also auch nie langweilig „lachen“-Emoticon

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