Wie gesund ist Honig wirklich?

Wie gesund ist Honig wirklich?

17.01.2018 von kglinder
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Ich esse für mein Leben gerne Honig und er hilft mir wegen seiner Süße auch, auf Süßigkeiten wie Schokolade usw. zu verzichten. Bisher ging ich davon aus, dass ich meinem Körper damit nur Gutes tun kann und Honig gesund ist. Kürzlich habe ich allerdings einen Bericht gelesen, der vor Pestiziden und Gift in Honig warnt. Jetzt frage ich mich, ob da etwas dran ist oder es nur wieder eine der typischen "Heute ist das ungesund, morgen das"-Meldungen ist, die durch die Medien geistern. Ist hier jemand der sich gut mit Honig auskennt? Gibt es vielleicht etwas, worauf man beim Kauf unbedingt achten sollte? Vielen Dank - Katharina

Antworten: 1

danielhh
danielhh 17.01.2018

Es ist kaum möglich, ein Lebensmittel pauschal als gesund oder ungesund zu bezeichnen, denn es kommt auch immer auf die Qualität, die verzehrte Menge und viele weitere Aspekte an. Dass Honig als Brotaufstrich aufgrund seiner natürlichen Inhaltsstoffe aber deutlich gesünder als eine Schokocreme ist, sollte jedem bewusst sein.

Woraus besteht Honig?

Honig besteht je nach Sorte aus bis zu 85 % Fructose (Fruchtzucker) und Glucose (Traubenzucker) sowie Wasser (bis zu 21%). Durchschnittlich sind 38 % Fruchtzucker und 30 % Traubenzucker enthalten. Daneben enthält Honig Mineralstoffe (Calcium, Kalium, Magnesium, Natrium usw.), Spurenelemente (Eisen, Zink, Kupfer usw.), geringe Mengen Vitamine (Vitamin C, Vitamin B2, Vitamin B6, Niacin usw.) und zahlreiche Aminosäuren.

Mit etwa 300 Kalorien / 100 Gramm ist Honig absolut kein Leichtgewicht, im Vergleich zu Nutella (536 kcal / 100 g) schlägt er sich aber zum Beispiel gut.

Zu viel Zucker im Honig?

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass Fruchtzucker und Traubenzucker viel gesünder als "normaler" Zucker sind, denn der Haushaltszucker (Saccharose) besteht immerhin aus diesen beiden Einfachzuckern.

Fruchtzucker ist für uns Menschen nicht viel besser als normaler Zucker, weil unser Verdauungstrakt mit größeren Mengen Fructose nicht gut zurecht kommt und es gibt auch viele Menschen mit einer Fructose-Unverträglichkeit. Es wurde auch nachgewiesen, dass zu viel Fructose den Fett-/Kohlenhydratstoffwechsel negativ beeinflussen kann und Fructose vom Körper schneller in Körperfett umgewandelt wird.

Aber immerhin handelt sich bei der Fructose im Honig um natürlichen Fruchtzucker und nicht um die industriell hergestellte, konzentrierte und isolierte Variante. Es kommen also zahlreiche gesunde Bestandteile (siehe oben) mit, die beim industriellen Fruchtzucker nicht mehr enthalten sind.

Dennoch sollte man sowohl Fruchtzucker als auch Traubenzucker nicht in übermäßigen Mengen konsumieren und es alleine deshalb auch mit dem süßen Honiggenuss nicht übertreiben. Übergewicht, Diabetes mellitus, Gicht usw. können im Zweifel die Folgen sein.

Nachstehend einige Vorteile und Nachteile von Honig im Bezug auf die Gesundheit.

Honig: Vorteile für die Gesundheit

  • Honig enthält Antioxidantien, die den Blutdruck und das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, senken können. (Nachweis)
  • Honig wirkt entzündungshemmend und hilft deshalb unter anderem gut bei Halsschmerzen
  • Honig hat eine nachgewiesene antibakterielle Wirkung und wird daher zum Beispiel auch in der Medizin zur Wundbehandlung eingesetzt. Dabei wird jedoch kein gewöhnlicher Honig aus dem Supermarkt verwendet, sondern ein spezieller medizinischer Honig. Auch gegen Pilze soll Honig wirken.
  • Auch auf den Cholesterinspiegel kann sich Honig günstig auswirken, indem er das "gute" HDL-Cholesterin erhöht und den LDL-Wert reduziert (Nachweis)

Eine (zwar kleine), aber höchst interessante Studie im Auftrag des österreichischen Imkerbundes (siehe Quelle) brachte bei regelmäßigem Verzehr von naturbelassenem Honig (mind. 50 g/täglich) folgende Ergebnisse:

  • Deutliche Verbesserung des Immunsystems, Reduzierung freier Radikale
  • Der Honig half wegen seiner Süße auf gewöhnliche Süßigkeiten zu verzichten und führte deshalb zu einer Abnahme des BMI bei übergewichtigen Probanden
  • Der Honig wirkte sich positiv auf das psychische Wohlbefinden, körperliche Belastbarkeit und die Schlafqualität aus
  • Positive Wirkung auf die Verdauung, Hilfe bei chronischer Verstopfung

Die Kehrseite dieser vielen gesunden Eigenschaften und Vorteile gibt es aber erwiesenermaßen tatsächlich:

Honig: Nachteile

  • Aufgrund des hohen Gehalts an Fruchtzucker und Traubenzucker kann sich Honig bei übermäßigem Genuss negativ auf die Blutzuckerwerte auswirken.
  • Honig enthält tatsächlich oft Pestizide. Die Pestizide (Neonicotinoide) werden von den Bienen direkt über Pollen und Nektar aufgenommen. In einer Studie wurden 198 Honigproben weltweiter Herkunft auf Pestizide untersucht und bei 75 % der Proben wurden Pestizide gefunden, bei 45 % sogar mehr als eine Pestizid-Art. Da die Konzentration der Pestizide bei den meisten Proben allerdings unter den zulässigen Grenzwerten lag, sei der Verzehr von Honig nach aktuellem Stand deshalb für Menschen nicht ungesund. Für die Bienen selbst sind diese Pestizide allerdings sehr schädlich und gefährlich.
  • Da Honig ein Naturprodukt ist, kann er Gifte enthalten. Konkret geht es dabei um krebsauslösende und giftige Pflanzenstoffe, die die Bienen mit dem Nektar im Zweifel einsammeln können.
  • Honig enthält naturgemäß einen entsprechend hohen Anteil (~ bis zu 0,5 %) Pollen. Allergiker können je nach Ausprägung der Allergie also im Zweifel Probleme bekommen.
  • Honig kann bestimmte Bakterien enthalten, die durch den komplexen Vorgang bei der Herstellung trotzdem nicht vollständig abgetötet werden. Konkret geht es dabei um das Bakterium clostridium botulinum, das den gefährlichen Säuglingstobulismus auslösen kann. Deshalb sollen Babys und Kleinkinder unter 12 Monaten auch keinen Honig zu sich nehmen. Ihr Immunsystem und der Säureschutz des Magens sind noch nicht so weit ausgebildet, wie bei Erwachsenen.

Honig: Worauf beim Kauf achten?

Generell ist zu empfehlen, auf Qualität und nicht nur auf einen möglichst geringen Kaufpreis zu achten. Bio-Honig unterliegt strengen Richtlinien und man sollte ihn dem gewöhnlichen Nicht-Bio-Honig vorziehen.

Nach den Bio-Richtlinien müssen sich im Umkreis von 3 km um den Bienenstock mindestens 50 % Bio-/ÖLN-Flächen oder Wildpflanzen befinden und es muss eine "ausreichende" Entfernung zu Autobahnen, Städten, Industriegebieten und Abfalldeponien eingehalten werden. Auch wenn Bienen bis zu 10 km weit fliegen, um Nektar zu sammeln, stellt man sich mit einem "Bio-Honig" definitiv besser, da einfach strengere Richtlinien als bei einem normalen Honig eingehalten werden müssen. Über alle Anforderungen an "Bio-Honig" kann man sich hier informieren.

Auf den üblichen Honig für 2-3 Euro aus dem Supermarkt sollte man nach Möglichkeit verzichten. Stattdessen sollte man lieber direkt beim Imker oder in einem guten Reformhaus zugreifen. Persönlich würde ich deutschen Honig vorziehen. Trägt der Honig das D.I.B-Siegel / "Echter deutscher Honig", spricht auch das für besonders strenge Qualitätsrichtlinien (siehe Deutscher Imkerbund)

Honig im Glas den Plastikflaschen unbedingt vorziehen. Weichmacher aus dem Kunststoff können ggf. auch in den Honig übergehen.

Vielleicht als kleine persönliche Empfehlung, falls erlaubt: Die Bio-Honige von Bihophar sind sehr lecker. Soweit bekannt, schnitten Honige von Bihophar auch bei diversen Tests gut ab. Besonders toll schmeckt der flüssige Blüten-Honig (Bio).

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